Psychologische Prävention
Früherkennung und Frühintervention

Risikofaktoren für die Entwicklung von Lebensstilerkrankungen

Psychosoziale Belastungen / Belastungsbewältigung / Stress / Burnout

Aufgaben, von denen die betroffene Person annimmt, dass deren Anforderungen ihre Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen, erzeugen Stress. Stress aktiviert die körperlichen Regelmechanismen für Kampf oder Flucht. Stress kann im günstigen Falle dazu führen, Aufgaben als Herausforderungen anzusehen, und sich Kompetenzen anzueignen, diese trotz ihrer Schwierigkeiten zu bewältigen.

Nach der stressbedingten Beanspruchung sind ausreichende Erholungsphasen nötig. Andauernde Überaktivierung macht nervös und gereizt, wenn keine adäquaten Möglichkeiten zur Stressbewältigung zur Verfügung stehen. Dauert eine Überlastung über längere Zeit an, kann Stress zu Psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen führen.

Insbesondere Personen mit einem besonders hohen persönlichen Engagement und mangelhaften Stressbewältigungsmöglichkeiten gelingt es oft schlecht, ihrem eigenen hohen Leistungsanspruch zu genügen. Wenn hohe berufliche und/oder private Anforderungen  ohne ausreichende Erholungsphasen über längere Zeiträume andauern, erschöpfen sich die persönlichen Ressourcen durch eine permanente Arbeitsbelastung schneller als sie ersetzt werden können.

Kurz gesagt, wenn es trotz „ständigen Funktionieren-Müssens“ „immer zu wenig ist“ – droht ein zunächst kaum merkliches Ausbrennen der Bewältigungsressourcen, das in ein Burnout-Syndrom, ein Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS - Chronic Fatigue Syndrome) münden kann.

Woran erkennt man ein Chronisches Erschöpfungssyndrom bzw. ein Burnout Syndrom?

Permanente Überforderung mit fehlenden Erholungsphasen führt in eine lähmende emotionale, geistige und körperliche Erschöpfung und Erschöpfbarkeit mit Leistungs- und Antriebsschwäche sowie der Unfähigkeit, sich zu erholen.

Zusätzlich zur Erschöpfung zeigt sich eine typische Symptomatik aus Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Infektanfälligkeit, und Psychosomatischen Beschwerden wie z. B. verspannungsbedingte Schmerzen, Kreislaufprobleme, Verdauungs- und Essstörungen sowie im fortgeschrittenen Stadium auch Herzkrankheiten, Geschwüre im Magen-Darm-Trakt oder hartnäckiger Tinnitus.

In der Folge kommt es zu einem zynisch-misstrauischen Rückzug aus der Arbeit und aus den sozialen Bindungen, manchmal mit übertriebener Bindung an eine bestimmte Person oder verzweifelte Flucht in oberflächliche Kontaktsuche, mit der die Gefühle von Minderwertigkeit und Sinnlosigkeit ebenso verdeckt werden sollen wie mit dem unkontrollierten Konsum von Nahrungsmitteln, Alkohol, Nikotin oder Medikamenten.

Im Endstadium können Arbeitsunfähigkeit, Hilflosigkeit, existentielle Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit stehen, die in die Depression, selbst verletzendes Verhalten oder zum Suizid führen können.

Stadien der Entwicklung eines Burnout Syndroms

Ein Burnout entwickelt sich mit individuell verschiedenen Symptomatiken in einem schleichenden Prozess. Zur Beschreibung dieses Prozesses wurden verschiedene Phasenmodelle entwickelt. Das sukzessive Ausbrennen kann auch einen anderen Verlauf nehmen. Dennoch ist die Kenntnis eines charakteristischen Entwicklungsphasenmodells hilfreich, um eigene oder fremde Entwicklungen in Richtung Burnout möglichst frühzeitig erkennen und rechtzeitig gegensteuern zu können.

Der typische Verlauf der Entwicklung einer Burnout-Störung beginnt mit idealistischer Begeisterung für eine Aufgabe (Enthusiasmus) und führt nach ersten Enttäuschungen und Rückschlägen (Stagnation) zu vermehrtem Engagement ohne ausreichende Erholungs- oder Entspannungsphasen. Dabei werden eigene Gefühle und Bedürfnisse so lange ignoriert (empfindsames Stadium), bis sie nicht mehr wahrgenommen werden (empfindungsloses Stadium).

Auf die Erfahrung eigener Erfolgs- und Machtlosigkeit (Frustration) reagieren die Betroffenen mit Desillusionierung, Desorientierung, Desorganisation, Versagensängsten, Selbstwertproblemen, Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Schuldzuschreibungen und mit dem Gefühl, ausgenutzt zu werden. Zynische Abwertung der Aufgabe und der Mitmenschen, für die man sich vorher so intensiv eingesetzt hat, sind die Folge. Soziale Kontakte werden zunehmend auf eine sachliche Ebene im Zusammenhang mit der Aufgabe eingeschränkt.

Im späteren Verlauf folgen Psychosomatische Beschwerden, Leistungsabfall, defensive Bewältigungsversuche, indem die Tätigkeit und berufliche Kontakte auf das Notwendigste reduziert werden (Apathie), emotionale Abkoppelung, Rückzug, Suchtgefährdung und Erschöpfung (Burnout) bis zur Depression.

Fazit: Rechtzeitig gegensteuern!

Die Kenntnis dieser Phasen und Hauptsymptomatiken soll dazu aufrufen, rechtzeitig gegenzusteuern, wenn man bei sich oder im eigenen Umfeld Warnsymptome der Anfangsphase wahrnimmt, wie chronische Müdigkeit und Erschöpfung gepaart mit der Unfähigkeit, abzuschalten, Konzentrationsstörungen, nachlassende Effektivität bei der Bewältigung der Aufgaben, und wenn sich Wut, Angst und Zynismus einstellen, sowie Entspannung, Ablenkung und Trost in Suchtmitteln oder Risikoverhaltensweisen gesucht wird.

Das am weitesten verbreitete Messverfahren zur Erfassung einer Burnout-Symptomatik ist das Maslach Burnout Inventory (MBI), bei dem Aussagen aus den Kategorien Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung/Zynismus und Leistungszufriedenheit / Berufliche Effektivität nach Intensität und Häufigkeit beantwortet werden müssen. Inhaltlich deckt dieser Fragebogen die wichtigsten Aspekte des Burnouts (vor allem in helfenden Berufen) ab.

Sie können das MBI auf dieser Homepage selbst durchführen und sich über Psychologische Früherkennung und Frühintervention allgemein informieren und dort  weitere Testverfahren durchführen.

Welche Faktoren begünstigen die Entwicklung eines Burnout Syndroms?

Die persönliche Belastbarkeit und Fähigkeit, Krisen durch Rückgriff auf eigene und soziale Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen (Resilienz) hängt von Faktoren im persönlichen, im sozialen, im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich ab. Einem Rollenkonflikt zwischen Wunschbild und Realität, der in ein Burnout führen kann, wenn die Diskrepanz und somit die emotionale Enttäuschung zu groß wird, ist somit auf vielfältigen Ebenen entgegenzuarbeiten.

Persönlichkeitsfaktoren, die ein Burnout begünstigen können.

Vielfältige Persönlichkeitseigenschaften können die Entwicklung eines Burnout begünstigen, insbesondere Ängstlichkeit, mangelnde Selbstachtung, labiles Selbstwertgefühl mit entsprechender Neigung zu übertriebenem, kompensatorischen, erfolgssüchtigem Ehrgeiz, zu Schuldübernahme, Irritierbarkeit, Sorgen und Depressionen.

Weiters begünstigen Zwanghaftigkeit, kompromissloses Perfektionsstreben mit hohen Zielsetzungen oder auch ein Helfersyndrom die Entwicklung eines Burnout. Als Helfersyndrom bezeichnet man soziales Engagement aus der unbewussten Motivation heraus, versagte Zuwendung durch die eigene soziale Tätigkeit zu kompensieren und ein labiles Selbstwertgefühl durch die Aufopferung und die damit verbundene Dankbarkeit vieler Hilfsempfänger zu stabilisieren.

Burnout Faktoren des sozialen und beruflichen Umfeldes

Zur Entwicklung eines Burnout tragen auch soziale Ursachen bei, die im privaten Bereich liegen können wie finanzielle Verschuldung, belastende Beziehungen, Scheidung, die Erziehung eines behinderten Kindes oder die Pflege von kranken oder alten Angehörigen.

Vielfältige Auslösefaktoren für die Entwicklung eines Burnout liegen in sozialen Gegebenheiten des beruflichen Umfeldes und organisationspsychologischen Bedingungen.

Vor allem Führungsschwächen bedingen mangelnde Arbeitsorganisation und Strukturierung, die insbesondere in größeren Betrieben dazu führt, dass einzelne Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Aufgaben übernehmen müssen, für die sie nicht ausgebildet sind. Weiters führen Führungsdefizite zu unklaren oder widersprüchlichen Zielvorgaben und Erfolgskriterien, zu Arbeitsüberlastung mit Überstunden, um überhöhte Arbeitsziele erreichen zu können, zu mangelnder Einbindung in Entscheidungsprozesse und Umstrukturierungsprozesse, zu hoher Fremdbestimmung mit wenig oder gar keinem Einfluss auf die Arbeitsinhalte, die Arbeitsabläufe und die Zeiteinteilung, zu rigider Arbeitskontrolle, zu wenig strukturierender und wertschätzender Rückmeldung, schlechtem Betriebsklima mit Teamkonflikten, Mobbing, Gleichgültigkeit, mangelnder Unterstützung.

Auch Eigenschaften oder Anforderungen der Arbeit selbst können auf Dauer zermürben, wie der Umgang mit schwieriger Klientel, konfliktreiche Rollen, Einsamkeit und unpersönliche Kontakte, zeitraubende als sinnlos empfundene Routinearbeit mit mangelnden Möglichkeiten, sich selbst einzubringen, und fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten, sowie Arbeit gegen die eigenen Wertvorstellungen, massive körperliche Belastungen, Schichtdienste u. dgl.

Gesellschaftliche Faktoren für die Burnout Entwicklung

Für das in letzter Zeit massive Ansteigen von Burnout-Erkrankungen sind insbesondere auch gesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich.

Der Zerfall familiärer Bindungen mit zunehmender Vereinzelung und Anonymität führt dazu, die Arbeit als Sinnquelle überzubewerten. Wirtschaftliche Krisen mit prekärer Arbeitsmarktlage führen im Zusammenspiel mit Ausdünnungen des sozialen Netzes dazu, aus Angst vor Arbeitsplatzverlust schädigende Arbeitsbedingungen zu lange zu akzeptieren.

Die wachsende Komplexität des modernen Lebens mit beschleunigten Veränderungen der Technologien und Arbeitsbedingungen erfordert zunehmende Spezialisierung, legt die Menschen auf enge Rollen fest, und bedingt Autonomieeinbußen und Stress, da der Mensch immer mehr auf Maschinen und Spezialisten angewiesen ist, nur noch Teilbereiche des Lebens bestimmen und bewältigen kann und zudem ständig umlernen muss.

Auch der Wertewandel in Richtung einer Glorifizierung von Erfolg und Karriere und einer Abwertung sozialer Aufgaben und familiärer Bindungen sowie auch der Verlust von ethischen Werten oder religiösem Rückhalt heizt Burnout-Entwicklungen zusätzlich an.

Grundsätzliches zur Behandlung eines Burnout

Wie bei allen Psychischen Störungen sind auch die Ursachen für ein Burnout-Syndrom vielfältig. Dem entsprechend müssen auch Prävention und Behandlung auf verschiedenen Ebenen ansetzen.

In den Anfangsphasen kann als individuelle Maßnahme ausgedehnte Erholung, z. B. in Form einer Kur, oder ein Arbeitsplatzwechsel noch helfen.

Fortgeschrittene Entwicklungen in Richtung eines Burnout-Syndroms benötigen unbedingt professionelle Beratung und Behandlung, in vielen Fällen auch eine Psychotherapie. Diese soll helfen, die eigene Leistungsfähigkeit besser einzuschätzen und mit den Leistungsanforderungen in Einklang zu bringen, Verantwortung auch abzugeben, (Zeit-) Druck abzubauen, damit künftige Überforderungen verringert oder vermieden werden und Lebenssinn auch außerhalb der Arbeit (wieder) entdeckt werden kann.

Das Ziel der Therapie besteht darin, den Teufelskreis aus Überforderung, innerem Druck und mangelndem Stressabbau nachhaltig zu durchbrechen. Dazu müssen die Betroffenen auch ihre Selbsteinschätzung und verinnerlichte Verhaltensmuster ändern. Diese Entwicklungen benötigendie Zeit zur Selbsterkenntnis und zur Umsetzung in den Alltag.

In vielen Fällen bedarf es anfänglich auch einer medikamentösen Unterstützung. Auch pflanzliche Wirkstoffe wie das stimmungsstabilisierende Johanniskraut oder beruhigende Baldrian-Präparate können hilfreich sein.

Wichtiges zur Burnout Prävention

Die Verantwortung für die Verhütung von arbeitsbedingtem Stress liegt, wie ganz generell die Verhütung von Gefährdungen und Belastungen der Beschäftigten, beim Arbeitgeber. Präventive Maßnahmen gegen Burnout sollten dem entsprechend auch auf der betrieblichen Ebene ansetzen, durch Information von Führungskräften, Schulung von Betriebsräten und Sicherheitsvertrauenspersonen sowie Förderung von Gruppen gefährdeter oder betroffener Personen.

Die Maßnahmen beruhen auf arbeitsschutzrechtlichen Gesetzen mit dem Ziel einer Stärkung der Teilhabe der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen.

Die Maßnahmen beruhen auf  psychologischen Konzepten wie Coping (Erwerb von Belastungsbewältigungsfertigkeiten), Salutogenese (Erwerb gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen und Denkmustern anstelle von nur einseitiger Vermeidung von gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen) und Empowerment („Ermächtigung“ zu möglichst selbstbestimmter und selbstverantwortlicher Arbeits- und Lebensgestaltung). Empowerment dient dem Ziel, die eigenen Interessen vertreten zu lernen, persönliche Ressourcen zu erschließen und zu stärken, insbesondere Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen, Talente, Neigungen und Stärken, die oftmals nicht bewusst sind, für die Gestaltung der eigenen Arbeitsverhaltensweisen nutzbar zu machen. Dadurch soll die Regenerationsfähigkeit gestärkt und ein Burnout vermeiden werden.

Dazu ist es sehr wichtig, neben der Stärkung von arbeitsbezogenen Ressourcen wie z. B. dem Erlernen eines besseren Zeitmanagements, auch Entspannungstechniken zu erlernen und sich selbst Zeit und Raum zum Ausruhen und Regenerieren sowie für Ausgleichsmöglichkeiten wie Sport, Musik oder andere Hobbies zu geben, bzw. in Meditation oder Gebet Ruhe und Entspannung zu erfahren, und die Aufmerksamkeit gezielt von den Belastungsbereichen wegzulenken (Genusstraining). Hierbei kann das Schlagwort der "Work-Life-Balance" eine gute Orientierungshilfe bieten: Beruf und Karriere sind wichtig, Familie, Freizeit und Hobbys sind aber mindestens ebenso wichtig!

 

Risikoverhaltensweisen für Lebensstilerkrankungen:

Falsche und zu reichliche Ernährung in Kombination mit Bewegungsmangel und in vielen Fällen auch mit Suchtgewohnheiten wie Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum als häufig eingesetzte untaugliche Mittel zur Kompensation eines stressbetonten Lebens haben zu einer alarmierenden Zunahme von Lebensstilerkrankungen mit einer weiter stark steigenden Tendenz geführt.

Dieser Lebensstil macht zuerst dick, dann krank. Primär führt diese Lebensweise zu Fettleibigkeit und in der Folge vor allem zu Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen wie insbesondere zur Zuckerkrankheit (Diabetes), Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose und Bluthochdruck mit der Folge von Herzinfarkt oder Schlaganfällen. Diese Erkrankungen fordern in den westlichen Industrienationen bereits mehr Todesopfer als Krebserkrankungen.

Zur Früherkennung dieser Volkskrankheiten wurde die medizinische Vorsorgeuntersuchung eingeführt. Auf dieser Homepage haben Sie die Möglichkeit, Ihre Risikoverhaltensweisen, die zu Lebensstilerkrankungen führen können, nach objektiven Kriterien zu testen und sich allgemein über Psychologische Früherkennung zu informieren.

Der Früherkennung müssen Verhaltensänderungen folgen! Die Verhaltensmedizin bietet psychologische Methoden an, die Sie wirksam darin unterstützen können, die den Lebensstilerkrankungen zugrunde liegenden Risikoverhaltensweisen dauerhaft durch gesundheitsförderliche Verhaltensweisen zu ersetzen.

Dazu werden Programme zur Integration von Bewegung in den Alltag, zur Veränderung des Essverhaltens, zur Raucherentwöhnung und zur Kontrolle des Alkoholkonsums angeboten. Sie können sich dazu mit den Klinisch- und Gesundheitspsychologischen Beratungs- und Koordinationsstellen des Landes Tirol in Verbindung zu setzen.

 

Zum Seitenanfang