Psychologische Bewältigung von schweren / chronischen körperlichen Erkrankungen
Schwere oder chronische körperliche Erkrankungen wie z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Diabetes und insbesondere Krebserkrankungen führen in verschiedenen Phasen des Krankheitsverlaufes zu spezifischen psychischen Belastungen.
Wenn die Belastung so groß wird, dass zur Krankheitsbewältigung die eigenen Kräfte und die Unterstützung durch Angehörige und Freunde nicht ausreichen, insbesondere wenn massive Ängste und Depressionen auftreten, sollte psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Zur Verarbeitung des Schocks bei der Konfrontation mit der Diagnose einer schweren Erkrankung, der häufig mit Verleugnung ('Nicht-wahrhaben-wollen'), Aggression, Zorn, Wut und Angst einhergeht, oder wenn eine schwere Erkrankung im weiteren Verlauf in eine psychische Notsituation führt, stehen Angebote der psychologischen Krisenintervention zur Verfügung.
Im weiteren Krankheitsverlauf kann eine begleitende psychologische Beratung und Behandlung helfen, die oft stark belastenden Begleiterscheinungen der medizinischen Therapien zu verkraften wie z. B. Schmerzen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Brechreiz usw.
Zur Bewältigung und Anpassung an die durch die Erkrankung oft massiv veränderte Lebenssituation können mit psychologischer Unterstützung Strategien erarbeitet werden, um den Blick der Erkrankten auf die verbliebenen Fähigkeiten und Freuden zu lenken und so der Hoffnungslosigkeit und Depression gegenzusteuern.
Insbesondere die Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls nach Rollenverlusten (z.B. als Familienversorger), der veränderte Körper nach gravierenden operativen Eingriffen, zum Beispiel wegen eines künstlichen Darmausgangs oder einer Brustamputation infolge Krebserkrankung oder der Umgang mit Einschränkungen der Mobilität oder von Fertigkeiten infolge eines Schlaganfalls u. dgl. bedürfen meist eines länger dauernden professionellen Kontaktangebotes.
Durch die psychologische Bearbeitung der Angst vor zunehmender Krankheitsbelastung oder vor dem Tod, durch die Unterstützung bei krankheitsbedingten Konflikten in Partnerschaft und Familie usw. soll Tendenzen zum depressiven sozialen Rückzug entgegengewirkt werden.
Es gibt vielfältige psychologische Unterstützungsangebote, um zu einer besseren Krankheitsbewältigung beizutragen. Es muss nicht immer eine Psychotherapie sein.
Entspannungstechniken oder Hypnoseverfahren können insbesondere Angst, Schmerzen oder Brechreiz mildern.
Neben der Entspannung gibt es vielfältige Techniken zur Angstbewältigung. Angst mindernd wirkt insbesondere die genaue Information über das Krankheitsbild, über die Behandlungsmöglichkeiten und darüber, was man selbst zur Verbesserung beitragen kann, sowie das Planen, was man im Fall einer Verschlechterung oder eines Rückfalls konkret tun kann und wer dabei helfen könnte. Auch die möglichst genaue Analyse dessen, was an der Krankheit am meisten Angst auslöst, hilft, konkrete Schritte zur Bewältigung zu planen und die Angst zu mildern.
Die Beschäftigung mit den eigenen kreativen Möglichkeiten erlaubt es, der Angst Ausdruck zu verleihen und mit weniger bewussten Prozessen der Krankheitsverarbeitung in Kontakt zu kommen und das durch die Erkrankung erschütterte Selbstwertgefühl zu stärken.
Professionell geleitete Gesprächsgruppen mit anderen Betroffenen bieten Raum für die Auseinandersetzung mit Gefühlen, insbesondere der Angst, zum Austausch über die Bewältigung der krankheitsbedingten Probleme und bieten Gelegenheit, sich verstanden zu wissen.
Im günstigsten Fall kann die individuelle Krankheitsbewältigung psychologisch so weit unterstützt werden, dass die erkrankte Person ihren Platz im Leben neu finden und weitestgehend an sozialen und wenn möglich auch beruflichen Tätigkeiten wieder teilnehmen kann. Voraussetzung dazu ist die an den Erkrankungsprozess angepasste laufende Neudefinition ihrer Rollen in Familie und Beruf, die Aktivierung der persönlichen Ressourcen und die laufende Erarbeitung von Strategien zum erfolgreichen Umgang mit den krankheitsbedingten Einschränkungen, so dass es letztlich im besten Falle gelingt, die Erkrankung als Teil des eigenen Lebens annehmen zu können. Dadurch lassen sich die Lebensqualität und bei manchen Krankheiten auch die Heilungschancen und die Lebenserwartung deutlich verbessern.
Mit Ihren Fragen und Anliegen zur Krankheitsbewältigung können Sie sich gerne mit den Klinisch- und Gesundheitspsychologischen Beratungs- und Koordinationsstellen des Landes Tirol in Verbindung zu setzen.